Bärbel Bas war seit dem 6. Mai 2025 Bundesministerin für Arbeit und Soziales im Kabinett Merz, 28 und seit dem 27. Juni 2025 Co-Vorsitzende der SPD, gemeinsam mit Lars Klingbeil. Von 2021 bis März 2025 führte sie als Präsidentin den Deutschen Bundestag. Mit ihrem Rücktritt verliert die Koalition aus CDU/CSU und SPD eines ihrer prominentesten SPD-Gesichter in der Regierung.

Was Bas selbst erklärt hat

Nach Medienberichten veröffentlichte Bas am Montagmorgen eine eigene Erklärung und informierte Lars Klingbeil über ihren Rücktritt vom Parteivorsitz. Bundeskanzler Friedrich Merz bat sie um formelle Entlassung aus dem Ministeramt. In ihrer Erklärung begründete sie den Schritt mit dem Tod ihrer Stieftochter: Sie könne momentan nicht die Kraft aufbringen, Regierungs- und Parteiarbeit vollumfänglich auszuüben. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales verdienten eine Hausleitung, die anstehende Gesetzesvorhaben mit voller Kraft vorantreibe.

Über den persönlichen Verlust hinaus nannte Bas nach Medienberichten öffentliche Angriffe als mitursächlich für ihren Entschluss – und verortete diese Angriffe ausdrücklich auch in den Reihen des Koalitionspartners CDU/CSU. Eine Benennung konkreter Vorgänge oder Personen enthielt ihre Erklärung nach dem Stand der Berichte nicht.

Angriffe aus der Union – und Klingbeils Reaktion

Dass der Druck aus der Union in den Wochen vor dem Rücktritt zunahm, ist belegt. Christian von Stetten, Vorsitzender des Parlamentskreises Mittelstand der CDU/CSU-Fraktion, forderte nach Medienberichten den Rücktritt von Bas und warf ihr vor, Reformen zu blockieren. Auch Berichte über Auseinandersetzungen zwischen Bas und Bundeskanzler Friedrich Merz kursierten in dieser Zeit.

Lars Klingbeil reagierte nach Medienberichten mit offener Empörung. Er bezeichnete die Kritik der vergangenen Tage an Bas als „unanständig" und verteidigte sie gegen die Angriffe aus dem Koalitionspartner. Eine Stellungnahme der CDU/CSU-Fraktionsführung zu den Vorwürfen, öffentliche Angriffe aus ihren Reihen hätten zum Rücktritt beigetragen, lag zum Stand 12. Oktober 2026 nicht vor.

Was folgt

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, das im Haushalt 2026 ein Volumen von 197,34 Milliarden Euro trägt und für 2027 rund 201,46 Milliarden Euro veranschlagt sind, steht ohne Führung. Wer das Ressort übernimmt – kommissarisch oder dauerhaft –, ist nach den vorliegenden Berichten nicht entschieden. Auch das SPD-interne Verfahren zur Neubesetzung des Parteivorsitzes ist nicht geregelt. Eine amtliche Mitteilung der Bundesregierung stand zum Zeitpunkt dieses Stands noch aus. Der nächste formelle Schritt ist die Entlassung durch den Bundeskanzler und die Ernennung einer Nachfolgerin oder eines Nachfolgers.