Im August kündigten die Bundeswehr, die Stadt Landau und der Kreis Südliche Weinstraße die Übung gemeinsam an. Verantwortlich war nach Angaben der Truppe das ABC-Abwehrregiment 750 „Baden“. Die Übung trägt die Nummer DEU RP 018_26 und wird im Landeskommando Rheinland-Pfalz geführt. Die Truppe führt also aus; die örtlichen Behörden sind dort eingebunden, wo die Übung den öffentlichen Raum berührt.

Die Experten für ABC-Abwehr kamen nach Angaben der Bundeswehr aus Bruchsal. Einheiten verlegten nach Angaben der Truppe von Saarbrücken über Idar-Oberstein, Darmstadt und Würzburg bis nach Ulm, Tübingen und Offenburg. Idar-Oberstein liegt in Rheinland-Pfalz. Für das Land selbst nennen die Ankündigungen Landau und den Landkreis Südliche Weinstraße sowie den Landkreis Donnersberg (mit Göllheim) als Übungsraum. Die Übung erstreckte sich über mehrere Bundesländer, zu denen Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern gehörten.

Die Bundeswehr nennt rund 550 beteiligte Soldatinnen und Soldaten und etwa 100 Fahrzeuge. Die Gesamtzahl von rund 550 bezieht sich auf die Übung insgesamt. Die Großübung dauerte rund zwei Wochen, vom 14. bis 25. September. Am Starttag, dem 14. September, wandte sich die Bundeswehr auch an Autofahrer.

Was trainiert wurde – und warum auf der Straße

ABC-Abwehr ist der Schutz vor atomaren, biologischen und chemischen Gefahren; das Kürzel steht für die drei Gefahrenarten. Am Anfang steht die Erkundung: Wo liegt die Gefahr, welcher Stoff ist im Spiel, wie weit reicht er? Die Bundeswehr nennt als Trainingsinhalte die Aufklärung atomarer und chemischer Bedrohungen, die Identifikation von Gefahrstoffen und die Dekontamination kontaminierter Personen und Ausrüstung. Für Rheinland-Pfalz nennt die Ankündigung Erkundungen sowie Dekontamination mit Wasser und Wasseraufbereitung.

Die Bundeswehr schreibt, die Abwehr atomarer, biologischer und chemischer Gefahren gehöre „zu den besonderen Fähigkeiten der Bundeswehr“. Damit alles reibungslos funktioniere, müsse der Ernstfall aber regelmäßig geprobt werden. Dafür arbeitet die Truppe nach eigenen Angaben teilweise mit internationalen Chemiekonzernen zusammen, um auch seltenere Szenarien und Gefahrenlagen zu üben.

Die Kräfte bewegen sich nach Angaben der Bundeswehr nicht ausschließlich innerhalb militärischer Liegenschaften wie Kasernen, sondern nutzen auch öffentliche Straßen. Militärfahrzeuge gehören in den meisten Regionen Deutschlands nicht zum gewohnten Anblick. Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs sind sie auf deutschen Straßen häufiger zu sehen. Die Übung fällt damit in eine Phase, in der Militärfahrzeuge im Straßenbild öfter auftauchen.

Was auf den Straßen auf Autofahrer zukommt

Für Verkehrsteilnehmer ist die Übung konkret. „Mit einer erhöhten Präsenz militärischer Fahrzeuge auf den Straßen im Übungsraum ist zu rechnen“, hieß es in der Mitteilung der Bundeswehr. Größere Transporte und Übungen im öffentlichen Raum seien mit den örtlichen Behörden abgestimmt. Beeinträchtigungen im Straßenverkehr sind örtlich und vorübergehend möglich.

Die Mitteilung formuliert zwei Verhaltensregeln als Bitte: Abstand halten und beim Überholen nicht zwischen Fahrzeuge einer Kolonne fahren. Die Regel verlangt von Autofahrern Geduld und Abstand, und sie verlangt es als Bitte.

Die stärkste Fassung der Gegenposition lautet: Eine Übung auf öffentlichen Straßen verteilt ihre Lasten auf Menschen, die nicht zur Truppe gehören. Wer hinter einem Konvoi im Verkehr steckt, zahlt für einen Ernstfall, den er nicht ausgewählt hat. Dagegen steht die Begründung der Bundeswehr: Fähigkeiten, die im Ernstfall funktionieren sollen, müssen regelmäßig geübt werden. Die Bundeswehr begründet die Straßennutzung damit mit dem Realismus der Übung.

Ob die Bitte auf der Straße genügt, zeigt erst der Verlauf; bekannt ist bislang, was die Bundeswehr für den Ablauf angekündigt hat.

Die Wehrdienst-Debatte im Hintergrund

Für junge Männer berührt die Wehrdienst-Debatte etwas anderes als eine Übung: die Musterung. Eine Musterung prüft, ob ein junger Mann dienstfähig ist. Ob daraus ein Dienst folgt, entscheidet ein eigenes Gesetz.

Die Grünen beschlossen Ende November 2025 auf ihrem Parteitag in Hannover einen Leitantrag, der verpflichtende Musterungen für junge Männer vorsieht. Die Delegierten stimmten in der Nacht zu, trotz Kritik aus den eigenen Reihen. Der Vorsitzende der Grünen Jugend, Bobga, nannte eine verpflichtende Musterung einen ersten Schritt hin zu einer Wehrpflicht durch die Hintertür. Parteitag und Kritik streiten damit um dieselbe Stelle: ob die Musterung schon Teil einer Wehrpflicht ist.

Ein Parteitagsbeschluss ist noch kein Gesetz. Was die Musterung für die Betroffenen bedeutet, entscheidet erst, was daraus gesetzlich folgt.