Trade Republic spricht dabei von "mehr als 50" ETFs von BlackRock, DWS und Vanguard.
Was hat ein Sparer davon, wenn das Depot keine Gebühren kostet? Die Antwort hat zwei Teile. Die Förderung zahlt der Staat bei jedem Anbieter gleich. Die Gebühren unterscheiden sich, und ihr Wert hängt an einer Fondsliste. Erst beides zusammen zeigt, was am Ende übrig bleibt.
Was die Förderung bringt, unabhängig vom Anbieter
Das Altersvorsorgedepot ist das Produkt, mit dem die Reform die Riester-Rente ablöst. Die Bundesregierung beschreibt den Kern so: Die Riester-Rente wird durch flexiblere, renditestärkere und kostengünstigere Produkte ersetzt, und die steuerliche Förderung öffnet sich für ein Depot ohne Garantie. Garantieprodukte bleiben möglich. Der Bundestag beschloss die Reform am 27. März 2026, der Bundesrat stimmte am 8. Mai 2026 zu. Die Reform trat am 29. Mai 2026 in Kraft; anwendbar wird sie zum 1. Januar 2027.
Die Grundzulage liegt bei bis zu 540 Euro im Jahr und ist gestaffelt. Auf die ersten 360 Euro des Eigenbeitrags gibt es 50 Prozent, höchstens also 180 Euro. Auf die weiteren 1.440 Euro gibt es 25 Prozent, höchstens 360 Euro. Zusammen ergeben sich 540 Euro, wenn der Sparer 1.800 Euro im Jahr einzahlt. Für jedes Kind kommen bis zu 300 Euro hinzu, und einmalig 200 Euro, wenn der Sparer zu Jahresbeginn noch keine 25 Jahre alt ist.
Diese Förderung bekommt der Sparer unabhängig davon, ob Trade Republic, eine Bank oder eine Versicherung das Depot führt. Eine Gebühr schmälert deshalb nicht die Zulage, sondern das angesparte Kapital. Das Geld bleibt nach den bisherigen Angaben bis zum 65. Lebensjahr gebunden.
Wer entscheidet was? Der Gesetzgeber setzt Förderung und Kostendeckel. Das Bundeszentralamt für Steuern zertifiziert die Produkte, bevor sie verkauft werden dürfen. Der Anbieter bestimmt seine Fondsliste und die Erstattungsregeln. Der Sparer entscheidet über Auswahl und Startaufteilung.
Welche Gebühren Trade Republic streicht – und welche nicht
Trade Republic nennt drei Zusagen: keine laufenden Depotgebühren, keine Ausführungskosten für regelmäßige Sparpläne und die Übernahme der laufenden Produktkosten für ausgewählte ETFs. Die Erstattung soll monatlich direkt ins Depot fließen. Die Fonds stammen von BlackRock, DWS und Vanguard; die Zahl „mehr als 50“ nennt der Anbieter selbst.
Die Zusage hat eine Grenze, und sie verläuft entlang der Liste. Wer ein frei zusammengestelltes Depot führt, zahlt die Produktkosten der gewählten Fonds selbst. Wer also einen ETF außerhalb der Auswahl kauft, bekommt den Vorteil nicht. Der Gebührenvergleich ist damit kein Vergleich von Depots, sondern einer von Fondsauswahlen.
Auch der Wettbewerb rechnet mit solchen Zusagen. Scalable Capital übernimmt nach eigenen Angaben die ETF-Kosten für ausgewählte Produkte bis Ende 2027. Trade Republic stellt die Erstattung ohne Enddatum in Aussicht. Ob ein solches Versprechen trägt, entscheiden die Bedingungen, die bei Verkaufsstart gelten, nicht die Ankündigung.
Vorsicht bei Renditeangaben aus Vergleichen: Die häufig zitierten 2,50 Prozent pro Jahr bei Scalable Capital gelten nur für ein separates Tagesgeldkonto, nicht für das Depot. Wer Zahlen vergleicht, muss zuerst prüfen, worauf sie sich beziehen.
Was der Kostendeckel von 1 Prozent bedeutet
Für das gesetzliche Standarddepot gilt eine Obergrenze: Die Effektivkosten dürfen in der Ansparphase im Schnitt höchstens 1 Prozent pro Jahr betragen. Jeder Anbieter muss ein solches Standarddepot anbieten. Die Grenze ist also ein Höchstwert, keine Preisangabe. Bei einem angenommenen Depotwert von 20.000 Euro wären das höchstens 200 Euro im Jahr, bei 50.000 Euro höchstens 500 Euro. Für andere Depotvarianten gilt diese Grenze nicht.
Zum Vergleich: Die Grundzulage von 540 Euro im Jahr ist bei einem Eigenbeitrag von 1.800 Euro die größere jährliche Summe. Der Kostendeckel begrenzt, was der Anbieter höchstens abziehen darf, und gibt keinen Betrag vor, den er abzieht.
Das Standarddepot ist ein gesteuertes Produkt. Der Anbieter gibt die Fonds vor, meist einen Renditebaustein und einen Sicherheitsbaustein. Die Startaufteilung kann der Sparer in der Regel ändern. Vor dem Ruhestand schichtet der Anbieter nach festem Ablauf um: Fünf Jahre vor Beginn der Auszahlung müssen mindestens 50 Prozent im Sicherheitsbaustein liegen, zwei Jahre davor 70 Prozent. Dieser Umschichtung kann der Sparer widersprechen.
Die stärkste Lesart für das Angebot lautet so: Wer die gelisteten Fonds ohnehin nutzen würde, zahlt dort keine laufende Gebühr, und der Staat setzt zusätzlich eine Obergrenze gegen überhöhte Kosten. Die stärkste Gegenlesart: Eine Gebührenfreiheit, die an einer Liste hängt, bindet den Sparer an die Auswahl eines Anbieters. Wer die Liste verlässt, verliert den Vorteil, und die Erstattungsregeln können sich ändern. Welche Lesart trägt, hängt davon ab, ob der Sparer die Liste ohnehin nutzt.
Gemessen an der Achse EFFIZIENZ – Kosten je Euro Sparleistung – ist das Angebot für Sparer, die in der Liste bleiben, das günstigste der angekündigten Formate. Ob es die Kosten im Gesamtmarkt senkt, zeigt sich daran, ob andere Anbieter nachziehen. Für Trade Republic ist das Angebot ein Marktanteilsinstrument: Der Anbieter will sich einen größeren Teil des Geschäfts mit privater Altersvorsorge sichern.
Wann das Angebot kommt und was als Nächstes ansteht
Verkaufen dürfen Anbieter das Altersvorsorgedepot erst ab dem 1. Januar 2027. Vorher muss jedes Produkt ein Zertifizierungsverfahren beim Bundeszentralamt für Steuern durchlaufen. Nach dem Stand August 2026 sollte dieses Verfahren im Herbst 2026 beginnen. Der Markt ist bereits breit: Eine Vergleichsübersicht führt im Oktober 2026 45 Depots von 23 Anbietern.
Ob die Lesart stimmt, zeigt sich am Starttag. Dann ist zu sehen, ob die Liste der erstatteten ETFs mit den Ankündigungen übereinstimmt und ob die Erstattung ohne Enddatum in den Bedingungen steht. Fällt ein ETF aus der Liste, zahlt der Sparer dessen laufende Kosten wieder selbst. Wer das prüfen will, liest deshalb vor der Kontoeröffnung die Liste und ihre Änderungsregeln – nicht die Schlagzeile.
