Am 17. Oktober 2026 gingen in Frankreich Menschen gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungswesen auf die Straße. Bis 15 Uhr meldeten die Behörden landesweit 272 Festnahmen. Die Polizei hat an diesem Tag Menschen festgenommen und das Rathaus von Marseille nicht geschützt. Gemessen wird ein Einsatz nicht an der Zahl danach, sondern an dem, was er verhindert.

In Paris setzte die Polizei Tränengas und Wasserwerfer gegen Gruppen ein, aus denen Gegenstände und Feuerwerkskörper flogen. Auf der Place de la République brannten ein Auto und zwei Zeitungskioske. Rund 100 Demonstranten griffen nach Polizeiangaben den Sitz des Senders CNews an; dort wurden 21 Menschen festgenommen. Bis 14.15 Uhr zählte die Polizeipräfektur in Paris 133 Festnahmen.

In Marseille brachen mehrere Dutzend Demonstranten die Tür des Rathauses auf und drangen in die Eingangshalle. „Es ist Revolution! Wir stürmen die Bastille“, riefen sie, wie ein Reporter beobachtete. Die Polizei vertrieb sie wenig später.

Den Schaden nennt der Bürgermeister begrenzt: ein umgeworfener Tisch, ein paar zerbrochene Scheiben. Die Frage, die er zugleich stellt, ist größer: warum Randalierer ungehindert zerstören konnten. Sie richtet sich nicht an die Gruppe an der Tür, sondern an den Staat, der das Gebäude sichern sollte.

Was für die Festnahmen spricht

Der stärkste Einwand lautet: Der Staat war nicht untätig. Die Polizei hat die Gruppe vertrieben und an einem Tag mehr als 270 Festnahmen gemeldet. Der Zug in Paris war überwiegend friedlich, und außerhalb der Hauptstadt zählten die Behörden 140 Protestaktionen mit rund 32.800 Teilnehmern. Wer jede Versammlung vorab unter Verdacht stellt, greift in ein Grundrecht ein. Das stimmt. Der Kommentar fordert keine Vorabverbote, sondern dass die Polizei dort steht, wo Gebäude sind, bevor die Tür bricht.

Zwei Reflexe, eine Polizei

Dieselbe Polizei war an anderen Orten früher da. In Bordeaux setzte sie nach Medienberichten Tränengas ein, noch bevor der Zug begann. Ein Demonstrant namens Benjamin sagt, Polizisten hätten ihn am Vormittag in Paris angegriffen und eingekesselt; er wirft ihnen vor, so die Gewalt selbst zu provozieren. Der Kommentar führt das als Vorwurf, nicht als Befund. Auch mit diesem Vorwurf bleibt das Bild: eine Polizei, die schnell ist, wo Menschen stehen, und spät, wo Türen sind.

Beim nächsten Protesttag wird die Bilanz wieder eine Zahl sein. Die Antwort auf die Frage des Bürgermeisters liegt nicht auf dem Place de la République, sondern bei denen, die die Polizei führen.