Vier Vorlagen mit der Zahl 25 Millionen im Namen hat der Haushaltsausschuss am 14. Oktober 2026 gebilligt. Eine davon betrifft ein System, das Drohnen nicht abschießt, sondern einfängt. Wer wissen will, was damit beschlossen wurde, muss zuerst wissen, was diese Zahl bedeutet.
Wie ein Netzwerfer eine Drohne stoppt
Die Netzwerferdrohne fängt eine feindliche Drohne mit einem Netz ein. Schon der Name beschreibt, was das Verfahren vermeidet: den Abschuss. Wer eine Drohne über bewohntem Gebiet vom Himmel schießt, hat danach Trümmer am Boden. Wer sie einfängt, kann sie später untersuchen. Weil nichts herabfällt, lässt sich das System auch in bebautem Gelände einsetzen.
Geschützt werden sollen Liegenschaften der Bundeswehr im In- und Ausland gegen Klein- und Kleinstdrohnen, mit denen Ausspähung und Sabotage versucht werden. Die Bedrohung ist nicht abstrakt. Verteidigungsminister Boris Pistorius verwies im September 2025 im Bundestag auf russische Drohnen, die tief in den polnischen und estnischen Luftraum eingedrungen waren, und auf das Überfliegen einer deutschen Fregatte in der Ostsee innerhalb weniger Tage.
Wer entscheidet, wer beschafft
Der Haushaltsausschuss entscheidet über das Geld, das Beschaffungsamt über den Vertrag. Die Zahl im Namen der Vorlagen nennt die Schwelle, ab der das Parlament mitentscheidet, nicht den Preis eines Systems. Die übrigen drei Vorlagen betreffen unter anderem den Ersatz von Patriot-Feuereinheiten, die 2025 an die Ukraine abgegeben wurden.
Ein Rahmenvertrag legt Preise und Bedingungen fest; die einzelnen Lieferungen werden später abgerufen. Verteidigungsminister Boris Pistorius treibt den Ausbau der Drohnenfähigkeiten der Bundeswehr voran.
Was das Drohnenregiment daneben plant
Der Netzwerfer ist Objektschutz. Das Drohnenregiment ist die größere Frage. Boris Pistorius hat es am 1. Oktober 2026 auf dem Truppenübungsplatz Bergen angekündigt: Das Heer soll ein eigenes Regiment für den Kampf mit unbemannten Systemen aufstellen. „Wer sich zu Land durchsetzen will, der muss eben den Kampf mit unbemannten Systemen beherrschen“, sagte der Minister dort.
Heeresinspekteur Christian Freuding will das Regiment bis 2029 voll einsatzbereit haben. Er nennt eine Kompanie für Gefechte auf kurze Distanz, eine für Waffeneinsatz bis über 500 Kilometer, eine für elektronische Kampfführung und eine für Drohnenabwehr. Dazu will er eine eigene Test- und Versuchskompanie. Fünfhundert Kilometer entsprechen ungefähr der Luftlinie von Berlin nach München. Diese Reichweite steht unter Vorbehalt: Sie hängt davon ab, was der Markt technisch hergibt. Die Zeitangaben stammen aus Äußerungen Freudings vom 2. Oktober 2026. Sie beschreiben Pläne, keine Zusagen.
Die Skepsis hat ein gewichtiges Argument. Ein Leitartikel hält fest, dass das Heer bislang weder technisch noch organisatorisch mit dem Tempo des Drohnenkriegs Schritt gehalten hat. Das Regiment dürfe deshalb nicht bloß auf dem Papier entstehen. Der Kommentar erinnert daran, dass es nicht die erste Ankündigung dieser Art ist. Freuding hat einen anderen Weg erwogen: Nach Medienberichten war seine erste Idee, aus jedem Kampfbataillon eine Kompanie zu machen, die den Drohnenkampf beherrscht. Heute sagt er, beide Wege seien erfolgversprechend, und die Bundeswehr habe sich für das eigenständige Regiment entschieden.
Der stärkste Einwand gegen diese Lesart lautet: Die Netzwerfer beweisen nur, dass die Bundeswehr Liegenschaften schützen kann, nicht dass sie im Gefecht Drohnen führen kann. Das stimmt. Der Beschluss vom 14. Oktober betrifft das Abwehrsystem, nicht das Regiment. Er sagt, wofür Geld bereitsteht, nicht, wie schnell eine Truppe entsteht.
Im September 2025 verlangte Boris Pistorius im Bundestag, die Bundeswehr müsse ihren Kernauftrag, die Landes- und Bündnisverteidigung, „uneingeschränkt erfüllen“. Das Regiment, das den Landkampf mit Drohnen führen soll, soll ab 2027 aufgebaut werden.
Was als Nächstes ansteht
Im Jahr 2027 sollen die ersten Netzwerferdrohnen ausgeliefert werden. Das Regiment soll ab 2027 aufgebaut werden. Die Netze kommen also früher als die Truppe, die sie ergänzen soll. Ob der Plan trägt, entscheidet sich an zwei Punkten: an der Auslieferung der ersten Systeme im Jahr 2027 und an der Frage, ob bis dahin die Kompanien stehen, die Freuding nennt. Beides lässt sich bis Ende 2027 nachprüfen.
