Was beschlossen wurde, lässt sich in einem Satz sagen: Die deutsche Marine bleibt mit bis zu 350 Soldatinnen und Soldaten an der EU-Operation EUNAVFOR ASPIDES beteiligt, bis zum 31. Oktober 2027. Der Antrag betrifft die Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte. Ein solches Mandat legt Obergrenze, Einsatzgebiet und Laufzeit fest. Der Bundestag stimmt zu, die Regierung führt aus.

Die Obergrenze war nicht immer 350. Bis 2025 galt eine Grenze von 700 Soldatinnen und Soldaten, weil ein Verband für das Indo-Pacific Deployment 2024 vorgesehen war, mit dem Marine und Luftwaffe in der Region Flagge zeigen sollten. Das Kabinett setzte die Grenze im August 2025 auf 350 herab. Diese Zahl reicht nach Darstellung der Bundesregierung für Personal und Luftunterstützung zum Aufbau von Lagebildern; auch eine Fregatte bleibe möglich.

Die Operation entstand im Februar 2024 als Reaktion auf wiederholte Angriffe der Huthi-Miliz auf den Seeverkehr seit Oktober 2023. Ihr Hauptquartier sitzt im griechischen Larissa, geleitet wird sie von Konteradmiral Vasileios Gryparis. Zu ihren Aufgaben gehören der Schutz und die Begleitung von Schiffen, ein maritimes Lagebild mit luftgestützter Aufklärung und seit März 2026 der Schutz kritischer Unterseeinfrastruktur wie Unterseekabel. Das Einsatzgebiet reicht von der Meerenge Bab al-Mandab über die Straße von Hormus bis zum Persischen Golf.

Die Bundesregierung begründet den Einsatz mit der Route selbst. Die Verbindung durch das Rote Meer sei die kürzeste zwischen Asien und Europa und habe vor Beginn der Angriffe 15 Prozent des weltweiten maritimen Handels getragen. Die Folgen seien Ausweichrouten und längere Frachtzeiten, und die Kosten gäben Reedereien letztlich an die Endverbraucher weiter.

Von der europäischen Seite stammt eine eigene Zahl. Der Rat der Europäischen Union legte im Februar 2026 einen finanziellen Bezugsrahmen von knapp 15 Millionen Euro für die gemeinsamen Kosten der Operation fest, und zwar für den Zeitraum 1. März 2026 bis 28. Februar 2027. Das ist der Haushalt der Mission insgesamt, nicht der deutsche Anteil.

CDU/CSU

Die Unionsfraktion trägt den Antrag der Regierung mit, dem sie als Teil der Koalition angehört. Den Einsatz verteidigte im Vorfeld Außenminister Johann Wadephul (CDU). Die Angriffe der Huthi-Miliz auf zivile Handelsschiffe, sagte er, gefährdeten globale Handelswege von großer Bedeutung für Europa und Deutschland. „Das zeigt, wie wichtig die militärische Präsenz der Europäischen Union in diesem maritimen Raum ist“.

Die Begründung verbindet zwei Argumente: die Angriffe selbst und die Präsenz als Gegenmittel. Ihr stärkster Einwand kommt aus einer anderen Fraktion. Wenn viele Schiffe das Gebiet weiträumig umfahren, verfehlt die Präsenz ein Ziel, das die Mission selbst benennt, nämlich die Sicherheit der Handelsschifffahrt. Diesen Einwand hat die Grünen-Fraktion formuliert; die Antwort darauf steht im Abschnitt zur Fraktion.

Spur: Bei der Abstimmung am 15. Oktober 2026 stimmten 197 Abgeordnete der Fraktion mit Ja.

AfD

Die AfD-Fraktion hat vor der Abstimmung angekündigt, der Verlängerung zuzustimmen. Ihre Begründung: Die Freiheit der Seewege liege im nationalen Interesse, und der Einsatz sei rein defensiv angelegt. Damit setzt die Fraktion denselben Schwerpunkt wie die Regierung, den Schutz der Handelsschifffahrt, und fügt das Argument des nationalen Interesses hinzu.

Die Einordnung als defensiv findet eine Stütze im Rat. Er bezeichnet die Operation als defensiv und sieht ihren Auftrag darin, Schiffe zu schützen und die Stabilität entlang der Seeverkehrsrouten zu wahren. Auch der Rahmen des Einsatzes passt dazu: Die Operation begleitet Handelsschiffe auf deren Anfrage, sie greift nicht von sich aus an.

Die Stärke dieser Begründung liegt in ihrer Schlichtheit. Wer die Seewege als nationales Interesse einstuft, muss kein Urteil über den Konflikt im Jemen fällen. Der Einwand gegen sie lautet, dass jede defensive Mission Schiffe schützt, aber die Angriffe selbst nicht beendet. Dieser Einwand trifft die Operation insgesamt, nicht nur die AfD.

Spur: 116 Ja-Stimmen bei der Abstimmung am 15. Oktober 2026. Die Zustimmung entspricht der Ankündigung.

SPD

Die SPD-Fraktion trägt als Koalitionspartner den Antrag der Bundesregierung mit. Ihre Zustimmung folgt der Logik des Antrags: Die Obergrenze bleibt bei 350 Soldatinnen und Soldaten, die Laufzeit wird verlängert. Die Koalitionsfraktionen entscheiden damit nicht über den Umfang des Einsatzes neu, sondern über seine Dauer. Die Frage des Antrags lautet deshalb nicht, wie viel Marine, sondern wie lange.

Die Gegenposition zu dieser Linie ist die der Grünen-Fraktion, die den Umfang nicht infrage stellt, aber das Mandat an seinem Ziel misst. Eine Verlängerung, die das Ziel nicht erreicht, verlängert nach dieser Lesart den Einsatz ohne Wirkung.

Spur: 105 Ja-Stimmen bei der Abstimmung am 15. Oktober 2026.

Bündnis 90/Die Grünen

Die Grünen haben den Einsatz im Herbst 2025 kritisch bewertet. In einem Fachtext der Fraktion forderten sie eine Anpassung von Strategie und Mandat. Sie kritisierten vor allem die Möglichkeit eines Fregatteneinsatzes. Ihr Hauptargument: Ein zentrales Ziel, die Sicherheit der Handelsschifffahrt zu verbessern, werde verfehlt. Viele Schiffe umfahren das Gebiet weiträumig, und die Risiken hätten zugenommen.

Diese Position ist die stärkste Fassung der Kritik an der Mission, weil sie nicht den Einsatz selbst infrage stellt, sondern seine Wirksamkeit an dem Ziel misst, das die Mission selbst vorgibt. Die Gegenposition liefert der Außenminister: Für ihn ist die militärische Präsenz der Europäischen Union der Hebel, mit dem sich die Gefahr für den Handel verringern lässt. Beide Seiten streiten also nicht über die Bedrohung, sondern über die Wirkung der Präsenz.

Spur: Bei der Abstimmung am 15. Oktober 2026 enthielten sich 80 Abgeordnete der Fraktion. Eine Enthaltung zählt bei der Mehrheitsentscheidung weder als Ja noch als Nein.

Die Linke

Die Linke lehnt die Verlängerung ab und stimmte mit Nein. Ein Nein unterscheidet sich von einer Enthaltung: Es ist eine ausdrückliche Stimme gegen die Vorlage, während die Enthaltung das Ergebnis nicht beeinflusst, aber auch nicht gegen den Antrag steht.

Die Fraktion ist damit die einzige im Bundestag, die in dieser Abstimmung geschlossen gegen die Vorlage votierte. Ob das eine Ablehnung des Einsatzes insgesamt oder nur der aktuellen Verlängerung ist, zeigt die Abstimmung allein nicht.

Spur: 54 Nein-Stimmen bei der Abstimmung am 15. Oktober 2026.

Wort gegen Spur

Die schärfste Spannung in diesem Raster betrifft die Grünen. 2025 verlangten sie eine Anpassung des Mandats, weil die Route nicht sicherer geworden sei. 2026 enthielten sie sich bei der Verlängerung, ohne dass die Fraktion eine solche Anpassung in dieser Abstimmung durchsetzen konnte.

Die AfD hat ihre Zustimmung mit dem nationalen Interesse an freien Seewegen begründet. Die Union stützt sich auf den wirtschaftlichen Befund zur Route. Beide Begründungen laufen auf denselben Auftrag hinaus: den Schutz der Schifffahrt. Die Linke stimmte dagegen.

Die Laufzeiten fallen auseinander. Der Rat hat die EU-Operation bis zum 28. Februar 2027 verlängert, das deutsche Mandat gilt bis zum 31. Oktober 2027. Die deutsche Zustimmung reicht damit über den aktuellen Ratsbeschluss hinaus. Vor dessen Ende steht eine weitere strategische Überprüfung der Operation im Zeitraum 2026/27 an. Sie ist der nächste Termin, an dem sich zeigt, ob der Einsatz das Ziel erreicht, an dem ihn die Grünen messen.