Die Fregatte F126 sollte die seegestützte U-Boot-Jagd übernehmen: sechs Schiffe, rund zehn Milliarden Euro, gebaut vom niederländischen Generalunternehmer Damen Schelde Naval Shipbuilding. Das Bundesverteidigungsministerium erklärte am 24. Juni 2026 den Rücktritt vom Vertrag, weil der Auftragnehmer aus Sicht des Ministeriums weder pünktlich noch zum vereinbarten Preis liefern konnte. Eine Fortführung über die Werft NVL hätte den Finanzbedarf nach Ministeriumsangaben auf über 18 Milliarden Euro getrieben. Damen fordert ihrerseits milliardenschweren Schadenersatz; ein Rechtsstreit steht aus.

Als Ersatz entschied sich das Ministerium für ein marktverfügbares Modell. MEKO steht für „Mehrzweck-Kombination": Die modulare Konstruktion lässt sich an nationale Anforderungen anpassen, Verbündete betreiben vergleichbare Einheiten bereits. TKMS-Vorstandschef Oliver Burkhard sprach nach dem Ausschussbeschluss von einem „starken Vertrauenssignal". Der Auftrag sei der größte Überwasserauftrag in der Unternehmensgeschichte.

Was der Beschluss vom 8. Oktober kostet – und was separat gerechnet wird

Die Zahlen verlangen Sorgfalt. Das zweite Los umfasst laut Verteidigungsministerium rund 5,3 Milliarden Euro für den reinen Bau sowie weitere Mittel für Projektunterstützung und eine Managementreserve, sodass das Gesamtvolumen des zweiten Beschlusses bei rund 5,6 Milliarden Euro liegt. Das erste Los vom Juli 2026 kostete rund 6,3 Milliarden Euro und enthielt zusätzliche Entwicklungsleistungen für die Anpassung an deutsche Anforderungen. Hinzu kommen separat kalkulierte prognostizierte Betriebskosten für die vier neuen Schiffe bis 2045 von rund 1,55 Milliarden Euro. Diese laufen nicht in den Baupreis ein.

Die erste Fregatte soll Ende 2029 übergeben werden; die weiteren Einheiten folgen nach TKMS-Angaben in engem Liefertakt, die achte Einheit ist rechnerisch für das Frühjahr 2035 vorgesehen. Beschaffungen der Bundeswehr ab 25 Millionen Euro müssen nach der Bundeshaushaltsordnung den Haushaltsausschuss passieren – das ist die gesetzliche Grundlage für das Kontrollverfahren.

Wie die fünf Fraktionen abstimmten

CDU/CSU – Programm, Geste, Spur: Das Wahlprogramm 2025 verlangte eine voll einsatzbereite Bundeswehr und die Erfüllung der NATO-Fähigkeitsziele. Im Haushaltsausschuss stimmte die Fraktion der Fregattenbeschaffung zu. Eine programmatisch konsistente Spur: Stärkung der Marine als Beitrag zur Landes- und Bündnisverteidigung.

SPD – Programm, Geste, Spur: Die SPD trug die Beschaffungsentscheidung in der Koalition mit. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) begründete den Bedarf mit den NATO-Verpflichtungen und der Fähigkeitslücke bei der seegestützten U-Boot-Jagd. Im Haushaltsausschuss stimmte die Fraktion zu. Der Beschluss steht in Einklang mit Pistorius' wiederholter Betonung, dass die Bundeswehr „kriegstüchtig" werden müsse.

AfD – Programm, Geste, Spur: Die AfD lehnte den Beschluss zur F126-Alternative im Haushaltsausschuss ab. Die Fraktion ist grundsätzlich militärpolitisch aktiv, stellt jedoch regelmäßig Verfahrens- und Kostenfragen bei großen Rüstungsprojekten. Einen eigenen parlamentarischen Antrag zur MEKO-Beschaffung legte die Fraktion laut den vorliegenden Quellen nicht vor. Geste: Kritik am Projektmanagement des Ministeriums.

Bündnis 90/Die Grünen – Programm, Geste, Spur: Die Grünen stimmten im Haushaltsausschuss gegen den Beschluss. Die Fraktion hatte in einer Anhörung zum Haushaltsbegleitgesetz 2027 Anträge eingebracht, zu den spezifischen Bedingungen der Fregattenbeschaffung jedoch keine eigenen Anträge vorgelegt. Grundsätzlich befürworten die Grünen Investitionen in Bündnisverteidigung; Skepsis äußerten Abgeordnete gegenüber dem Finanzierungsrahmen und dem Tempo des Projektwechsels nach dem F126-Aus.

Die Linke – Programm, Geste, Spur: Die Linke stimmte ebenfalls gegen den Beschluss. Rüstungsbeschaffungen dieser Größenordnung lehnt die Fraktion programmatisch ab; der Widerspruch zu einer Politik der militärischen Zurückhaltung ist Teil der Parteilinie. Zur MEKO-Beschaffung liegen keine eigenen Anträge der Fraktion vor.

Schuldenbremse und Finanzierung: Wo das Geld herkommt

Der Bundeshaushalt 2026 sieht Verteidigungsausgaben von insgesamt 108,2 Milliarden Euro vor – davon 82,69 Milliarden Euro aus dem regulären Wehretat (Einzelplan 14) und 25,51 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen Bundeswehr. Das Gesamtprogramm mit TKMS wird aus diesen beiden Töpfen bedient; welche Mittel in welchem Jahr genau fließen, schlüsseln die vorliegenden Haushaltsdokumente nicht auf Einzelvorhaben herunter.

Die Schuldenbremse des Grundgesetzes (Art. 109, 115 GG) greift für Verteidigungsausgaben nur begrenzt: Ausgaben, die ein Prozent des nominalen Bruttoinlandsprodukts übersteigen, sind von der Regelgrenze ausgenommen. Der Bundeshaushalt 2026 sieht eine Nettokreditaufnahme von 98 Milliarden Euro vor. Stellvertreter des Bundeskanzlers und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat die Investitionsoffensive als notwendig für die Zukunftsfähigkeit des Landes begründet; Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hob in der Generaldebatte am 26. November 2025 die Bedeutung wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit hervor.

Der Bundesrechnungshof hat in der Vergangenheit bei Rüstungsbeschaffungen Projektmanagement-Mängel, überhöhte Preise und Fälle unwirksamen Mitteleinsatzes – darunter zu teure Unterbringung von Fregattenbesatzungen und Fehlinvestitionen in IT – dokumentiert. Ob und wie die Behörde das MEKO-Programm begleitet, geht aus den vorliegenden Quellen nicht hervor.

Zwei Tranchen, ein Befund

CDU/CSU und SPD stimmten zu: auf der Programm- wie auf der Abstimmungsebene konsistent. AfD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke stimmten ab: aus unterschiedlichen Motiven, aber mit demselben Ergebnis. Das Programm, das vor sechs Monaten nicht existierte, bindet den Bund nun bis 2035 – und kostet 11,6 Milliarden Euro, bevor die erste Besatzung ausläuft.