Der Rücktritt kam ohne öffentlich erkennbare Vorwarnung. Bas teilte ihren Entschluss schriftlich der SPD-Spitze mit; die Erklärung wurde von der Partei verbreitet und von Bas zusätzlich auf ihrem Instagram-Account veröffentlicht.
In der Erklärung, deren Wortlaut nach Medienberichten vorliegt, schrieb Bas: „Nach dem Tod meiner Stieftochter habe ich festgestellt, dass ich Zeit brauche, um die Trauer zu verarbeiten." Und weiter: „Darüber hinaus muss ich leider feststellen, dass die öffentlichen Angriffe auf mich, leider auch aus den Reihen des Koalitionspartners, in dieser für mich persönlich schwierigen Zeit weiter forciert wurden." Sie könne momentan nicht die Kraft aufbringen, die Regierungs- und Parteiarbeit vollumfänglich auszuüben.
Bas bat Bundeskanzler Friedrich Merz um ihre Entlassung aus dem Amt der Bundesministerin für Arbeit und Soziales und informierte Stellvertreter des Bundeskanzlers Lars Klingbeil über die Niederlegung des Parteivorsitzes. Ihr Bundestagsmandat für den Wahlkreis Duisburg I will sie behalten.
Reaktionen: Lob, Rückweisung, Druck
Bundeskanzler Friedrich Merz würdigte die Entscheidung nach Medienberichten als respektzuwert und dankte Bas für ihre Arbeit. Vorwürfe, die Union habe Angriffe auf sie während ihrer Trauerzeit forciert, wies er zurück und bezeichnete die Kritik an ihrer Arbeit als sachbezogen.
Stellvertreter des Bundeskanzlers Lars Klingbeil stellte sich klar auf die Seite seiner bisherigen Co-Vorsitzenden: „Die Angriffe gegen sie in den letzten Tagen ihrer Trauer waren unanständig. Sowas gehört sich nicht", sagte er nach Medienberichten. In der Union hatte es zuletzt Kritik gegeben, weil das Arbeitsministerium die im Koalitionsausschuss vom 1. Juli vereinbarten Vorhaben zur Arbeitszeitflexibilisierung und zur Rente noch nicht als Gesetzentwürfe vorgelegt hatte. CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann wies nach Medienberichten den Vorwurf gezielter Angriffe zurück. Die Unionsfraktion forderte von einem künftigen Arbeitsminister Tempo bei der Umsetzung der ausstehenden Koalitionsbeschlüsse.
Schweitzer und die SPD-Führungsfrage
Als Nachfolger im Bundesarbeitsministerium wird nach Medienberichten Alexander Schweitzer (53) gehandelt. Der Jurist war von 2024 bis März 2026 Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz; nach der verlorenen Landtagswahl übernahm er den SPD-Fraktionsvorsitz im rheinland-pfälzischen Landtag. Eine SPD-Sprecherin bestätigte nach Medienberichten seine Nominierung. Gegen die Nachbesetzung durch einen Mann regte sich bereits Widerstand: Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) pochte auf eine Frau als Nachfolgerin.
Die formelle Entlassung von Bas und die Ernennung Schweitzers durch den Bundespräsidenten standen zum Stand der Recherche noch aus.
Bei der Parteiführung stellte Klingbeil auf einem Statement am späten Vormittag klar, dass die gesamte SPD-Spitze zur Wahl anstehen soll – nicht nur der freigewordene Co-Vorsitz. „Wir werden um den Jahreswechsel herum, das kann der Dezember sein, das kann der Januar sein, einen Bundesparteitag durchführen", sagte er. Als mögliche Nachfolgerin für den Co-Vorsitz wird nach Medienberichten Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig gehandelt. Ob Klingbeil selbst erneut kandidiert, ließ er offen; am Prinzip der Doppelspitze will er festhalten.
Bas war seit Mai 2025 Bundesministerin für Arbeit und Soziales im Kabinett Merz und von Juni 2025 bis Oktober 2026 SPD-Co-Vorsitzende. Zuvor hatte sie von März 2021 bis März 2025 dem Deutschen Bundestag als Präsidentin vorgestanden.
