Was das System kostet, verteilt sich dagegen auf mehrere Haushaltsbeschlüsse, die sich nur zusammen lesen lassen.

Die Übung „Spartan Arrow 2026“ findet auf dem NATO-Schießplatz NAMFI auf Kreta statt. Griechenland stellt den Platz bereit und unterstützt logistisch. Beteiligt sind nach Angaben der Bundeswehr rund 650 Soldaten und 300 Fahrzeuge der deutschen und schwedischen Luftverteidigung. Die Frage dieses Stücks lautet: Was prüft die Bundeswehr dort, und was kostet das System, das dabei scharf geschossen wird?

Was auf Kreta geprüft wird

Im Mittelpunkt steht IRIS-T SLM, ein bodengebundenes Flugabwehrsystem für den mittleren Entfernungsbereich. Es ergänzt zwei andere Systeme: Patriot deckt größere Reichweiten ab, das Leichte Flugabwehrsystem des Heeres (LeFlaSys) den Nahbereich, auch gegen Drohnen und Marschflugkörper. Bei dem Schuss getestet wurden das Radar TRML-4D, die Führungszentrale CTOC und das Startgerät mit dem Lenkflugkörper. Die Steuerung lief über einen deutschen SAMOC-Gefechtsstand.

Neu ist vor allem die Besatzung. Der erste scharfe Schuss der Luftwaffe mit IRIS-T SLM fällt zwei Jahre nach der Übergabe des Systems an die Bundeswehr. Die Zertifizierung bestätigt, dass Radar, Führung und Startgerät unter Einsatzbedingungen zusammenarbeiten. Mehr sagt sie nicht.

Der Begriff, um den es dabei geht, ist die Interoperabilität. Sie heißt: Systeme verschiedener Staaten oder Waffengattungen tauschen Informationen aus und lassen sich gemeinsam steuern. Genau das prüft die Übung. Schweden bringt sein Patriot-System mit und führt eigene Live-Schüsse durch. Airbus Defence and Space verbindet die deutschen und schwedischen Systeme über ein gemeinsames Kommando- und Kontrollnetz. Ohne dieses Netz gäbe es zwei nationale Systeme nebeneinander, mit dem Netz eines, das gemeinsam schießen kann.

Bundesminister der Verteidigung Boris Pistorius besuchte die Übung am 14. Oktober 2026 und betonte die Bedeutung moderner Flugabwehr angesichts der Sicherheitslage.

Wie das System in die Staffelung passt

Die Flugabwehr der Bundeswehr ist nach Reichweiten gestaffelt, und deshalb steht keine Anschaffung allein. Patriot kam 1989 in die Bundeswehr und bekämpft Flugzeuge, taktische ballistische Raketen und Marschflugkörper. Das System wurde seither mehrfach modernisiert.

Die Patriot-Einheiten sind in Mecklenburg-Vorpommern stationiert. Die Flugabwehrraketengruppe 24 in Bad Sülze ist Heimatstandort des Waffensystems, die Flugabwehrraketengruppe 21 ist in Sanitz stationiert, mit der Siebenbuche-Kaserne und der Graf-Yorck-Kaserne in Prangendorf. Beide Gruppen tragen zur integrierten Luftverteidigung bei. Ihre Systeme können im Inland und international eingesetzt werden, unter anderem im Rahmen von NATO-Missionen an der Ostflanke.

Dass Patriot auch verlegt wird, zeigt ein Vorgang vom Januar 2023: Teile der Systeme gingen nach Polen, um dort einen Eisenbahn-Umschlagbahnhof zu schützen. An dieser Verlegung entzündet sich der Streit. Friedensinitiativen haben gegen die Verlegung von Waffensystemen protestiert und sehen darin eine Eskalation von Konflikten. Die Befürworter verweisen auf den konkreten Schutz des Umschlagbahnhofs, die Kritiker auf das Risiko. Beide Seiten argumentieren mit demselben Vorgang, und die Frage, welche Lesart trägt, hängt davon ab, welche Bedrohung man der Verlegung zurechnet.

Im Rahmen der Unterstützung der Ukraine wurden ebenfalls Patriot-Feuereinheiten abgegeben. Der Bundestag hat am 14. Oktober 2026 die Wiederbeschaffung von zwei Patriot-Feuereinheiten für rund 650 Millionen Euro gebilligt, weil zwei Feuereinheiten an die Ukraine gegangen waren. Es handelt sich also um Ersatz, nicht um zusätzliche Kapazität.

IRIS-T SLM soll den Raum zwischen Nahbereich und Patriot füllen. Wie viele Feuereinheiten am Ende im Dienst stehen, entscheiden die Beschlüsse der nächsten Jahre.

Was die Beschaffung kostet

Zuständig sind drei Akteure. Das Bundesverteidigungsministerium verantwortet Bedarf und Beschaffung, der Hersteller Diehl Defence liefert das System, und der Haushaltsausschuss des Bundestages gibt die Mittel frei. Wer die Kosten wissen will, muss deshalb mehrere Beschlüsse lesen.

Im Juni 2023 wurden aus dem Sondervermögen Bundeswehr sechs IRIS-T-SLM-Feuereinheiten und 216 Raketen für rund 950 Millionen Euro bewilligt; die Lieferung begann 2024. Ein Paket von 3,85 Milliarden Euro, das der Haushaltsausschuss 2025 für verschiedene Vorhaben billigte, schließt zusätzliche IRIS-T-SLM-Systeme ein.

Das Haushaltsrecht arbeitet dabei mit Verpflichtungsermächtigungen. Eine solche Ermächtigung erlaubt dem Bund, Verträge einzugehen, deren Zahlungen erst in späteren Haushaltsjahren fällig werden. Eine Bestellung wird also in einem Jahr beschlossen und über mehrere Jahre bezahlt. Für IRIS-T SLM sind solche Ermächtigungen bis 2025 in Höhe von rund 11,4 Milliarden Euro vorgesehen. Das übergreifende Projekt Nah- und Nächstbereichsschutz, zu dem IRIS-T SLM gehört, läuft bis 2032 mit 11,5 Milliarden Euro. Beide Zahlen betreffen unterschiedliche Vorhabenzuschnitte und lassen sich deshalb nicht einfach addieren.

Für die Lenkflugkörper folgt ein weiterer Schritt. Ende Oktober 2025 meldeten Medien, die Bundeswehr solle weitere IRIS-T-Raketen für rund 1,2 Milliarden Euro erhalten. Die Planung nennt 665 Raketen mit Lieferung zwischen 2028 und 2030. Das ist geplant, nicht beschlossen.

Den größten Rahmen setzt eine Wunschliste. Nach einem Bericht vom Oktober 2025, der sich auf ein internes Dokument stützt, wollte die Bundeswehr für den Haushalt 2026 Vorhaben im Umfang von 377 Milliarden Euro verplanen. Der größte Teil war damals noch in der Planungsphase, für viele Projekte fehlte ein klarer Zeitraum. Eine Wunschliste ist keine Bewilligung. Was der Haushaltsausschuss billigt, steht in seinen Beschlüssen. Die Liste zeigt nur, was die Bundeswehr sich vornimmt.

Was darauf steht, zeigt die Richtung. Genannt werden 687 Schützenpanzer vom Typ Puma, die Rheinmetall gemeinsam mit KNDS entwickelt, mit 2035 als Auslieferungsfrist. Hinzu kommen 561 mobile Flugabwehrsysteme vom Typ Skyranger 30, die auf vorhandene Fahrzeuge montiert werden und unter anderem gegen Drohnen wirken, sowie zwölf Aufklärungsdrohnen vom Typ Luna NG für 1,6 Milliarden Euro. Für mehr als die Hälfte der Projekte gab es nach dem Bericht bereits einen festgelegten Auftraggeber. Der Großteil befand sich dagegen in der Planungsphase.

Auf der Seite der Empfänger verschiebt sich das Bild. Dem Bericht zufolge sollen 32 Milliarden Euro direkt an Rheinmetall fließen, weitere 56 Milliarden an Tochter- und Gemeinschaftsunternehmen. Die Hälfte der Aufträge, mit einem Volumen von 182 Milliarden Euro, soll an deutsche Firmen gehen. Der Bericht hält zugleich fest, dass die Abhängigkeit von den USA bleibt.

Das stärkste Argument für diese Verteilung lautet: Ein großer Teil des Geldes bleibt in Deutschland, und die Industrie kann mit langen Auftragslinien planen. Die Gegenrechnung ist die Abhängigkeit, die der Bericht selbst benennt. Wer Aufträge an inländische Hersteller lenkt, verschiebt die Abhängigkeit, ohne sie zu beseitigen, solange zentrale Komponenten aus den USA kommen.

Das stärkste Argument für ein schnelleres Tempo hat Bundesminister der Verteidigung Boris Pistorius auf Kreta selbst vorgetragen: Die Lage verlange moderne Flugabwehr jetzt, nicht nach der nächsten Planungsrunde. Dem steht der Zeitplan gegenüber. Die 665 Raketen sollen erst zwischen 2028 und 2030 kommen, und die Wunschliste aus dem Jahr 2025 war zum größten Teil noch ohne festen Termin. Wer Tempo fordert, muss also die Liefertermine verteidigen, nicht die Übung.

Was als Nächstes ansteht

Die Zertifizierung ist abgeschlossen, die Beschaffung nicht. Den nächsten Schritt erkennt man an einem Beschluss des Haushaltsausschusses zu den 665 Raketen und an der ersten Auslieferung 2028. Bei den Patriot-Feuereinheiten ist die Wiederbeschaffung mit der Billigung vom 14. Oktober 2026 auf dem Weg; ob die Lieferung dem Zeitplan folgt, zeigt erst die Übergabe. Bis dahin zählt in der Bilanz nur, was beschlossen und geliefert ist.