Die Zinsen des Zentralhaushalts waren 2025 höher als die Ausgaben des Bildungsministeriums: 2,05 Billionen Lira gegen 1,44 Billionen. Der Zentralhaushalt ist der Haushalt der Ministerien und weiterer Behörden, über den das Parlament abstimmt. Das Finanzministerium berichtet ihn in Lira.
Daneben misst der Internationale Währungsfonds (IWF) den Gesamtstaat, der auch Sozialversicherung und Kommunen einschließt, in Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), also der Wirtschaftsleistung eines Jahres. Dieser Text hält beide Maße getrennt. Lira-Zahlen verschiedener Jahre lassen sich kaum vergleichen: 2025 stiegen die Ausgaben um 35,7 Prozent, die Einnahmen um 48,0 Prozent. Darum zählt der Anteil am BIP.
Woher das Geld kommt: die Mischung der Steuern
Der Zentralhaushalt nahm 2025 12,8 Billionen Lira ein, davon 11,05 Billionen als Steuern. Von 100 Lira Steuern stammten 48 aus Mehrwertsteuer (KDV) und Sonderverbrauchsteuer (ÖTV), also aus dem, was Menschen kaufen. Die ÖTV trifft Kraftstoffe, Fahrzeuge, Alkohol, Cola und einige Luxusgüter; sie allein brachte 18 Lira. Knapp 37 Lira kamen aus Einkommen- und Körperschaftsteuer. 2025 machten die Steuern zusammen 17,7 Prozent des BIP aus, mit den Sozialbeiträgen 24,3 Prozent.
Der Plan traf die Steuersumme fast genau (99,2 Prozent), die Mischung aber nicht: Die Einkommensteuer brachte 132 Prozent des Ansatzes, die Körperschaftsteuer 75 Prozent.
2026 verschiebt sich die Mischung. Seit dem 2. März 2026 gilt für Benzin, Diesel und Flüssiggas die gleitende Steuer (eşel mobil): Steigt der Ölpreis, verzichtet der Staat auf Steuer, damit der Preis an der Tankstelle weniger steigt. Von Januar bis August 2026 wuchsen die Steuereinnahmen um 35,7 Prozent, die ÖTV nur um 4,7 Prozent.
Im Gesamtstaat lagen die Ausgaben seit 2000 in jedem Jahr über den Einnahmen. 2025 waren es 32,4 Prozent des BIP Ausgaben gegen 29,6 Prozent Einnahmen. Den Höchstwert erreichten die Ausgaben 2001 mit 43,9 Prozent, im Jahr der Wirtschaftskrise; den Tiefstwert die Einnahmen 2022 mit 25,7 Prozent. Die gestrichelten Linien ab 2026 sind Projektionen des IWF: 33,2 Prozent Ausgaben, 29,9 Prozent Einnahmen.
Wofür der Staat zahlt: Personal, Zuschüsse, Zinsen, Erdbeben
Der Zentralhaushalt gab 2025 von 100 Lira knapp 25 für Personal aus, 37 für laufende Transfers, 14 für Zinsen, 9 für Investitionen und 7 für Güter und Dienste. Der Rest verteilt sich auf Arbeitgeberbeiträge, Kapitaltransfers und Kredite. Zu den Transfers zählen Zuschüsse für Gesundheit, Renten und Sozialhilfe: 1,93 Billionen Lira, 13,2 Prozent des Haushalts.
Das Erdbeben vom 6. Februar 2023 steckt in der Rechnung. Von 2023 bis 2025 gab der Zentralhaushalt nach Angaben der Strategie- und Haushaltsbehörde des Präsidialamts 3,6 Billionen Lira für Wiederaufbau und Katastrophenvorsorge aus, zu Preisen von 2025 rund 91,5 Milliarden Dollar. 2025 entsprachen diese Ausgaben 0,8 Prozent des BIP; ohne sie läge das Defizit bei 2,1 statt 2,9 Prozent. Für 2026 erwartet die Regierung dafür 681,5 Milliarden Lira und beschreibt den Wiederaufbau als großteils abgeschlossen.
Der Anteil der Verteidigung am BIP steigt. Nach der Zählweise der NATO, mit Meldungen der Türkei, waren es 2023 1,45 Prozent, 2024 2,08 Prozent und 2025 geschätzt 2,33 Prozent (1,47 Billionen Lira). Für 2026 schätzt das Bündnis 2,85 Prozent.
Defizit, Schulden und Zinslast: Ist und Plan getrennt
Ist: Das Defizit des Zentralhaushalts betrug 2025 rund 1,8 Billionen Lira, 2,9 Prozent des BIP. Ohne Zinsen hätte der Haushalt 255 Milliarden Lira Überschuss gemacht. Plan: Der Haushalt 2026 sieht 2,71 Billionen Lira Defizit vor (3,5 Prozent); von Januar bis August standen 1,31 Billionen zu Buche. Das Mittelfristige Programm vom 6. September 2026 erwartet für das ganze Jahr 3,1 Prozent und plant für 2027 3,87 Billionen Lira (3,5 Prozent), für 2029 2,8 Prozent.
Das Defizit des Gesamtstaats schrumpfte von 11,6 Prozent des BIP im Jahr der Wirtschaftskrise 2001 auf 2,8 Prozent im Jahr 2025. Dazwischen lagen 5,2 Prozent im Erdbebenjahr 2023 und 4,5 Prozent 2024. Die blassen Balken sind IWF-Projektionen: 3,4 Prozent für 2026, 3,7 für 2027, 2,7 für 2031.
Die Schulden des Gesamtstaats sanken von 75,6 Prozent des BIP im Jahr 2001 auf 23,5 Prozent 2025. Der IWF projiziert 25,5 Prozent für 2026 und 28,0 für 2030; die Regierung erwartet für 2026 nach EU-Definition 21,8 Prozent. Die EU-Kommission führt den Rückgang der Quote 2024 auch auf den Nenner zurück: Hohe Inflation vergrößert das BIP in Lira und drückt die Quote. 39,9 Prozent der Schulden des Zentralhaushalts sind Auslandsschulden (Stand Juni 2026); fällt die Lira, steigt deren Wert in Lira.
Die Zinsen des Zentralhaushalts betrugen 2025 2,05 Billionen Lira: 14,0 Prozent der Ausgaben, knapp 19 Lira je 100 Lira Steuern. Das waren 5,4 Prozent mehr als die 1,95 Billionen im Haushalt. Für 2026 sind 2,74 Billionen eingeplant, die Regierung erwartet 2,82. Bis August 2026 waren 72,5 Prozent des Ansatzes verbraucht; 2025 waren es nach acht Monaten 73,1 Prozent, am Jahresende 105,4. Für 2027 plant das Programm 3,98 Billionen Lira, 3,6 Prozent des BIP.
Nach der IWF-Datenbank zahlte der Staat 1999 20,8 Prozent des BIP an Zinsen. 2017 waren es 1,9 Prozent, 2024, im letzten gemeldeten Jahr, 3,0 Prozent. Die Grafik endet 2024 und enthält keine Projektion.
Wie sicher die Rechnung ist: Plan gegen Ist
Beim Defizit des Zentralhaushalts fiel das Ergebnis 2023 größer, 2024 und 2025 kleiner aus als der Plan. Das Programm vom September 2022 plante für 2023 3,5 Prozent des BIP (659 Milliarden Lira); es wurden 5,2 Prozent (1,38 Billionen), im Erdbebenjahr. 2024 standen 6,4 Prozent im Haushalt (2,65 Billionen), am Ende 4,7 (2,11 Billionen). 2025 waren 3,1 Prozent geplant; im September 2025 hob das Programm die Erwartung auf 3,6 an, am Ende standen 2,9. Das Defizit blieb unter dem Plan, weil die Einnahmen den Ansatz erreichten (100,3 Prozent) und die Ausgaben ihn knapp unterschritten (99,3). Die Zinsen lagen 2023 um 19, 2024 um 1 und 2025 um 5 Prozent über dem Ansatz.
Bei den Annahmen ist die Abweichung größer. Das Programm vom September 2024 rechnete für Dezember 2025 mit einer Jahresrate der Inflation von 17,5 Prozent; gemessen wurden amtlich 30,9 Prozent. Für Dezember 2024 waren es 33,0 geplant und 44,4 gemessen, für Dezember 2023 24,9 und 64,8. Das Wachstum blieb 2024 und 2025 um 0,7 und 0,3 Punkte unter dem Ansatz (3,3 und 3,7 statt 4,0). Einen Zielkurs für die Lira nennt das Programm nicht; es hält am frei schwankenden Kurs fest und sieht Ausnahmen nur bei übermäßigen Ausschlägen vor. Für 2026 sank die Wachstumsannahme von 3,8 auf 3,3 Prozent, die Inflationsannahme stieg von 16,0 auf 28,4. Der IWF hatte im Februar 2026 für Ende 2026 23 Prozent erwartet.
Drei Stellen bewerten die Rechnung von außen. Der IWF-Verwaltungsrat würdigte im Februar 2026 die Haushaltsanstrengung des Jahres 2025 und hielt ein Defizit vorübergehend unter drei Prozent des BIP für nötig, um die Inflation zu senken. Zugleich weist der IWF-Stab für 2024 beim Zentralhaushalt 5,0 Prozent Defizit aus, die Regierung 4,7; ihre Definition enthält Einmaleffekte, die der IWF herausrechnet. Für den Gesamtstaat 2025 nennt die Regierung 2,1 Prozent, die IWF-Reihe in den Grafiken 2,8. Die EU-Kommission hielt im November 2025 fest, dass der Türkei feste Zahlenregeln und eine unabhängige Haushaltsbehörde fehlen. Der Staatsfonds Türkiye Wealth Fund und der Wiederaufbaufonds liegen nach ihrer Darstellung ganz oder teilweise außerhalb der Prüfung durch den Rechnungshof (Sayıştay). Der Rechnungshof bestätigte am 3. September 2026, dass die Tabellen der Schlussrechnung 2025 zu den Büchern der Behörden passen, und empfahl dem Parlament, sie anzunehmen.
Bis zum 18. Oktober 2026 muss der Präsident den Haushalt 2027 beim Parlament einbringen (Artikel 161 der Verfassung); sein Rahmen steht im Programm: 27,3 Billionen Lira Ausgaben, 23,4 Billionen Einnahmen. Das Finanzministerium legt jeden Monat einen Vollzugsbericht vor; der für September erscheint im Oktober. Ob die Rechnung hält, zeigt sich zuerst an der Teuerung: Das Programm setzt sie für Dezember 2027 auf 21 Prozent.
